Eine Sonnenblume wird in der Antarktis niemals wachsen…oder doch?
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Elternmanagement im Leistungssport für junge Talente. Potenzial oder Herausforderung? Eine Kombination aus beidem? Möglicherweise weder noch? Und was könnte das alles mit der eigenen Brille und dem eigenen Frequenzbereich zu tun haben? Geschweige denn, mit einer Sonnenblume in der Antarktis?
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Willkommen an Board, Ihr mutigen Polarpioniere
Das Terrain ist rau, der Kurs wird täglich neu bestimmt, und nur wenn alle Crewmitglieder aufmerksam sind und zusammenarbeiten, kommen wir sicher ans Ziel.
Vom Maschinenraum über das Deck bis hin zur Brücke. Jede Wahrnehmung zählt: Ungewöhnliche Geräusche, verborgene Riffe und Klippen, neue Chancen am Horizont.
Was sehen wir? Was überhören wir? Und was könnte sichtbar werden, wenn wir die Perspektive wechseln? Wie kann es gelingen Signale zu empfangen, die in einem anderen Frequenzbereich und gleichzeitig auf derselben Wellenlänge liegen? Diese Reise lädt Euch ein, alte Muster zu hinterfragen und neue Möglichkeiten zu entdecken. Worauf warten wir noch? Leinen los!
Die Kraft des Perspektivwechsels
Im Nachwuchsleistungssport begegnen sich viele Welten: ehrgeizige junge Sportlerinnen und Sportler, hochqualifizierte Trainerinnen und Trainer, engagierte Funktionäre und nicht zuletzt – Eltern. Während die einen Eltern als einen Störfaktor betrachten, empfinden andere sie als wertvolle Ressource. In manchen Kontexten sind sie sogar beides und meistens dann beides gleichzeitig. Eine Ambivalenz mit der das System und besonders die Systembeteiligten erst einmal umgehen müssen.
Da sich Menschen immer auf natürliche Weise sinnvoll innerhalb gewisser Rahmenbedingungen verhalten, könnte uns eine systemische Betrachtung helfen, aus dieser Polarisierung auszubrechen, um neue Möglichkeiten der Zusammenarbeit zu entdecken. Oder anders gesagt: Möglicherweise könnte es sein, dass bereits eine gewisse Ambiguitätstoleranz1 als wertvolle Ressource im System vorhanden ist, um gemeinsam realisierbare Ziele in der Elternarbeit zu entwickeln?1
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Lasst uns einmal unsere Brillen wechseln und das Thema aus unterschiedlichen Blickwinkeln betrachten, oder einfach den Radiosender und damit die Frequenz ändern. Plötzlich verändert sich unsere Perspektive:
- Welche guten Gründe könnte es aus Sicht der Trainer geben, die Eltern aktiv einzubeziehen?
- Inwiefern könnten die Eltern ihre Einbindung als Herausforderung für Trainer sehen?
- Woran könnten beide Seiten erkennen, dass Elternarbeit sowohl Herausforderungen als auch große Chancen birgt?
- Stellen wir uns vor, Eltern und Trainer tauschen für einen Tag ihre Rollen. Welche drei Highlights würde jede Seite aus ihrer neuen Rolle heraus berichten?
- Was glaubt Ihr, welche Geschichten würden Euch Eltern und Verantwortliche aus anderen Bereichen der Begabtenförderung – z.B. aus der Musik, der Kunst, der Naturwissenschaft – zu einer gelungenen Elternarbeit erzählen?
- Mal angenommen, die Vereinsvorsitzende, der sportliche Leiter, die Pädagogin, der Stützpunktkoordinator, oder die Bundestrainerin wäre vor Jahren in einem Interview zum Thema Elternarbeit befragt worden. Wie würde sich diese Person Eurer Meinung nach aus heutiger Sicht zu diesem Thema positionieren?
- Woran würden die jungen Talente als erstes merken, dass das Projekt „Elternmanagement“ gescheitert ist?
Und schließlich… was würde eigentlich Chuck Norris zu diesem Thema sagen?
Familiensystem trifft Sportsystem – eine wertschätzende Analyse
Aus systemtheoretischer Perspektive bilden soziale Systeme u.a. Rituale, Geschichten, Sprachen und Codes. Sie entwickeln dabei eigene Identitäten, einen Sinn, ein Gleichgewicht und eigene Zeitstrukturen. Mithilfe der lösungsorientierten Grundannahmen – Menschen belegen ihre Handlungs- und Sprachmuster mit Sinn und agieren bzw. kommunizieren aus ihrer jeweiligen Sicht somit auch „sinnvoll“ – könnte es hilfreich sein, einen Blick darauf zu werfen, wie soziale Systeme, beispielsweise Sportvereine und Familien, funktionieren und welche Kommunikationsformen zwischen diesen Systemen zu erwarten sind.
Mal angenommen, wir würden Elternarbeit im Nachwuchsleistungssport durch unsere systemtheoretische Hornbrille betrachten, dann könnte sie als eine Form von „Interaktion und Informationsaustausch“ zwischen dem Familiensystem und dem Sportsystem verstanden werden. Hierbei handelt es sich um einen dynamischen Prozess, der zu Änderungen in beiden Systemen führt, denn beide Systeme „operieren“ mit unterschiedlichen Codes:
- Das Familiensystem arbeitet primär mit dem Code Zugehörigkeit/Nicht-Zugehörigkeit und ist auf die langfristige Entwicklung des Kindes ausgerichtet. Es stellt die Frage: Wie können wir unser Kind bestmöglich unterstützen?
- Das Sportsystem hingegen arbeitet mit dem Code Leistung/Nicht-Leistung und fokussiert sich auf die sportliche Optimierung. Die zentrale Frage lautet: Bringt dieser Athlet die notwendige Leistung, um gefördert zu werden?
Es entsteht eine sogenannte „strukturelle Kopplung“ zwischen beiden Systemen: Die Familie liefert dem System Sport eine stabile soziale Grundlage für das Kind, während der Sport dem Kind eine Identität als Athletin oder Athlet ermöglicht. Doch diese Kopplung ist nicht symmetrisch – Eltern möchten mitentscheiden, Trainer hingegen erwarten, dass sich Eltern „professionell zurückhalten“.
Sporteltern als Irritationsquelle
Worin könnte die Rolle der Eltern als irritierende Akteure und somit als Irritationsquelle für das Sportsystem begründet sein? Möglicherweise bringt das Familiensystem eine andere Systemlogik mit. Während Trainerinnen und Trainer sich an objektivierbaren Leistungsparametern orientieren (z. B. Zeiten, Technik, Leistungstests, Wettkampfergebnisse), handeln Eltern aus persönlichen, emotionalen und fürsorglichen Motiven heraus. Diese beiden Perspektiven sind nicht zwangsläufig kompatibel. Sie könnten zu strukturellen Konflikten führen. Eine mögliche Erklärung könnte sein:
Eltern versuchen, im System „Leistungssport“ mit den Kommunikationscodes des Familiensystems zu intervenieren. Sie stellen Fragen wie:
- Ist mein Kind zu sehr belastet?
- Warum bekommt mein Kind weniger Spielzeit als andere?
- Kann die Trainerin nicht verständnisvoller sein?
Trainer und Vereinsverantwortliche antworten mit Codes des Sportsystems:
- Ihr Kind zeigt (noch) nicht die notwendige Leistung.
- Wir richten uns nach objektiven Kriterien.
- Im Leistungssport zählt Eigenverantwortung, nicht familiäre Unterstützung.
Wenn diese Codes nicht kompatibel sind, führt es zum Verlust von Anschlussfähigkeit in Bezug auf Kommunikation – und zwar für beide Seiten. Trainer ziehen sich zurück, Eltern fühlen sich ausgeschlossen. Die Kommunikation endet.
Oder es entwickelt sich sogar eine Eigendynamik, in der Eltern, aus Sicht der Trainer, hochgradig eigensinnig auftreten und Trainer, aus Sicht der Eltern, erst recht die „Abgrenzung“ forcieren.
Wenn eine Handlung Ursache und Folge zugleich ist
Im Sinne des systemischen Denkens wird dieses Phänomen als Wechselwirkung zwischen den Beteiligten und den Ereignissen gesehen. Eine Handlung ist gleichzeitig sowohl Folge als auch Ursache (Zirkularität).
Zirkularität bedeutet, dass das Verhalten einzelner Beteiligter im System Konsequenzen für alle Beteiligten und das Gesamtsystem hat. Unter diesem Aspekt erscheint ein „Überengagement“ der Eltern, welches an der ein oder anderen Stelle zu beobachten ist, aus Sicht der Eltern sehr sinnvoll, aus Sicht der Trainer eher irritierend.
Je mehr sich die Trainer zurückziehen, desto eigendynamischer verhalten sich die Eltern. Je eigendynamischer sich die Eltern verhalten, desto mehr ziehen sich die Trainer zurück.
Im Grunde bedeutet dies auch, dass jeder Einzelne Verantwortung für das eigene Verhalten trägt, und anerkennt, dass jeder Einzelne einen Beitrag zu dieser Dynamik leistet. Jeder Einzelne hat einen Anteil – Betroffene sind Beteiligte.
Daraus könnten sich weitere Fragen ergeben:
- Wozu könnte das aktuelle Verhalten beider Seiten gut sein, also welche guten Gründe könnte es dafür geben?
- Was soll im jeweiligen System bewahrt werden, so wie es aktuell ist? Und welche Vorteile könnte dies haben?
Unterstellen wir einmal folgendes Szenario…
Ein erfolgreicher Verein in Deutschland in einer sehr bekannten Sportart mit hoher medialer Präsenz wagt den Schritt in den „Marianengraben der Elternkommunikation“.
Voller Mut und Überzeugung sowie mit dem außerordentlichen Wissen, dass Kommunikation nicht nur der Schlüssel zum Erfolg ist, sondern auch der Schlüssel zur strukturellen Kopplung zwischen Familiensystem und Sportsystem, stellt der Verein sich beherzt und entschlossen folgender Frage:
„Wie lässt sich eine funktionale Kopplung zwischen Sport- und Familiensystem zukünftig gestalten?“
Dabei wird den Beteiligten, die sich mit großer Veränderungsoffenheit im Prozess bewegen, eins recht schnell klar: Die Frage ist möglicherweise nicht, ob Eltern eine Rolle im Nachwuchsleistungssport spielen sollten, sondern wie ihre Kommunikation in das Sportsystem integriert werden kann, damit sie anschlussfähig bleibt.
Der etwas verstaubte Hypothesengenerator wird kurzerhand aus dem Materialschrank geholt und nach anfänglichem Ruckeln und Zuckeln purzelt Folgendes heraus:
- Es könnte sein, dass eine gezielte Elternkommunikation Konflikte reduziert und unseren Trainerinnen und Trainern den Rücken freihält.
- Möglicherweise könnten wir mit einer klaren Elternkommunikation unsere Abbrüche im Jugendbereich reduzieren.
- Es könnte sein, dass wir mit einer systematischen Elternkommunikation noch anziehender für junge Toptalente werden.
- Es scheint, als ob es bereits viele wertvolle Ressourcen und Kompetenzen in unserem Umfeld gibt, die es ermöglichen, Eltern kommunikativ, strategisch und strukturiert in das Sportsystem einbinden zu können.
- Möglicherweise könnten wir mit einem innovativen Konzept in der Elternkommunikation als Vorreiter und Best Practice Beispiel im nationalen oder sogar internationalen Vergleich an Aufmerksamkeit gewinnen.
- Es scheint, als ob wir mit transparenten Gesprächen über Erwartungen und Möglichkeiten sowie über unsere Herausforderungen und die Rollenvielfalt noch mehr Vertrauen zu den Eltern aufbauen und Missverständnisse reduzieren könnten.
- Möglicherweise könnten wir zukünftig die vielfältigen Kompetenzen der Eltern aus deren Berufsleben zielgerichtet in den Trainingsalltag integrieren.
- Es könnte sein, dass uns ein Blick auf ein anderes Spielfeld – in Sachen erfolgreiche Elternkommunikation – den entscheidenden Schritt weiterbringt.
Und so weiter und so fort…
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Völlig inspiriert und gedanklich gelöst von der polarisierenden Wirkung, gestaltet sich allmählich ein anderer Rahmen der Wahrnehmung, ohne dabei die eigentliche Realität zu leugnen. Möglicherweise könnten im Flow des Prozesses folgende Fragen formuliert worden sein:
- Wozu könnte es nützlich sein, Elternarbeit in einem neuen Licht darzustellen?
- Was wäre, wenn wir Elternarbeit einfach mal in „strategische Elternkommunikation“ umbenennen und der Thematik damit ein neues Gewand geben oder systemischer ausgedrückt eine neue Bedeutungszuschreibung?
Der druckerzeugende und durchaus absolute Satz „Ihr müsst Elternarbeit besser machen“, könnte einem öffnenden und lösenden Satz „Ihr könnt durch kluge Elternarbeit Vorteile haben“ weichen. Ganz im Sinne von Heinz von Förster, der einmal sagte: „Handle stets so, dass du die Anzahl deiner Möglichkeiten vergrößerst.“
Machen wir ein Gedankenexperiment
Lasst es uns einmal probieren. Wie klingt das für Euch?
Trainer/Verein über Eltern:
Bisher
Eltern mischen sich zu sehr ein und stören den Traineralltag.
Eltern haben zu wenig Ahnung vom Sport, um eine Rolle zu spielen.
Elternarbeit ist ein „nice to have“, aber nicht notwendig.
Der Verein entscheidet, Eltern haben sich nicht einzumischen.
Eltern stellen nur Forderungen, leisten aber wenig für den Verein.
Neu
Gut eingebundene Eltern können Trainerinnen und Trainer entlasten, indem sie administrativen Aufwand übernehmen oder für Klarheit in der Kommunikation sorgen.
Eltern sind Experten für ihre Kinder – wenn sie gut informiert sind, können sie die Athleten mental und logistisch optimal unterstützen.
Strukturierte Elternkommunikation reduziert Abbrüche und steigert langfristig die Persönlichkeitsentwicklung sowie Vereinsbindung.
Eltern sind Teil des sportlichen Ökosystems – wenn sie den Verein als Partner sehen, steigt die Kooperationsbereitschaft und Identifikation.
Engagierte Eltern können durch Netzwerke, Sponsoring-Kontakte und ehrenamtliche Unterstützung einen wirtschaftlichen Mehrwert für den Verein schaffen.
Eltern über Trainer/Verein:
Bisher
LZ2 und Trainer kennen unsere Perspektive nicht. Die wissen nicht, wie es ist, auf der anderen Seite zu stehen.
Mein Kind bekommt nicht genug Spielzeit oder Aufmerksamkeit.
Trainer sind nur auf Leistung fokussiert und haben kein Interesse am Wohl meines Kindes.
Die Kommunikation im Verein ist schlecht, ich erfahre alles zu spät.
Der Verein interessiert sich nur für die besten Talente.
Neu
LZ und Trainer haben eine andere Rolle, doch ein offener Dialog kann helfen, Perspektiven zu verstehen und gemeinsam Lösungen zu finden.
Leistungsförderung ist ein langfristiger Prozess – regelmäßiger Austausch mit den Trainern kann helfen, Entwicklungswege besser zu verstehen.
Trainer stehen unter Druck, Ergebnisse zu liefern – wenn wir im Dialog bleiben, können wir gemeinsam einen guten Weg zwischen Förderung und Wohlbefinden finden.
Vereine haben oft begrenzte Kapazitäten – wenn wir konstruktiv Feedback geben oder selbst mithelfen, können wir die Abläufe verbessern.
Auch in einem leistungsorientierten Umfeld gibt es unterschiedliche Entwicklungswege – wer aktiv im Austausch bleibt, kann individuelle Chancen besser erkennen.
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Gedanken bewegen sich jetzt im Raum…
- „Hm, eine interessante Übung…das klingt, gewissermaßen, konstruktiver; ja fast schon entspannt und leicht.“
- „Die neuen Aussagen eröffnen alternative Sichtweisen.“
- „Wenn ich das höre, kommt wieder Bewegung rein.“
- „Manche Aussagen erhalten eine andere Bedeutung.“
- „Was soll das bringen?“
- „Für mich bekommen einige Aussagen einen ganz anderen Rahmen.“
Wozu der Blick auf den Referenzrahmen entscheidend sein könnte
Inwieweit könnte es jetzt hilfreich sein, sich den Referenzrahmen des jeweils anderen Systems bewusst zu machen? Der Begriff „Referenzrahmen“ beschreibt die individuellen Denkmuster, Erwartungen und Wahrnehmungen, die Menschen aufgrund ihrer bisherigen Erfahrungen, Werte und Sozialisation entwickeln. Er beeinflusst, wie eine Person die Welt wahrnimmt, interpretiert und darauf reagiert.
Trainer betrachten Eltern oft aus dem Referenzrahmen der „Trainingssteuerung & Leistungssicherung“ – sie erwarten Disziplin und eine klare Rollenverteilung. Eltern hingegen haben oft den Referenzrahmen der „Fürsorge & Schutzfunktion“ – sie denken in langfristiger Entwicklung und emotionaler Sicherheit für ihr Kind.
Werden diese Referenzrahmen nicht bewusst gemacht, könnten Missverständnisse und Konflikte entstehen, weil alle Beteiligten aus völlig unterschiedlichen Perspektiven auf dasselbe Thema schauen, in unterschiedlichen Sprachen sprechen und auf verschiedenen Frequenzen senden. Wenn Eltern also nicht als Ressource, sondern als Störfaktor gesehen werden, dann liegt das nicht an den Eltern, sondern am Referenzrahmen, den das System aufgebaut hat.
Systeme konstruieren eigene Wirklichkeiten
Im systemischen Denken gilt: Jedes System konstruiert seine eigene Wirklichkeit. Realität ist konstruiert. Ein Verein, ein Trainerteam oder eine Elternschaft hat seine eigene Logik und Deutungsmuster und verhält sich in ihrem jeweiligen Kontext sinnvoll. Veränderungen sind aber möglich, wenn die Systembeteiligten den Referenzrahmen des anderen verstehen lernen und mittels Kommunikation anschlussfähig machen.
Treffen unterschiedliche Referenzrahmen aufeinander, die nicht kommunikativ gekoppelt sind, werden neue Informationen zunächst gefiltert. Passen die neuen Informationen nicht zum bisherigen Referenzrahmen, werden sie ignoriert oder abgelehnt. Kommunikation wirkt also nur im bestehenden Referenzrahmen.
Beispiel:
Ein Nachwuchsleistungszentrum will eine Elternschule einführen, aber Trainer blocken ab, weil sie es als „Einmischung“ empfinden – sie haben den Referenzrahmen „Eltern stören den Prozess“ und dieser springt unweigerlich an.
Demzufolge bedarf es der Gestaltung eines neuen Referenzrahmens, in dem beide Systeme – Sport und Familie – kommunikativ ihren Platz bekommen.
Hilfreich könnte sein, sich bewusst zu machen, dass wir vor allem Informationen wahrnehmen, die unseren bestehenden Referenzrahmen bestätigen. Und zwar durch unseren subjektiven Wahrnehmungsfilter.
Beispiel:
Ein Trainer erwartet, dass „alle Eltern anstrengend sind“ – er nimmt vor allem kritische Elternreaktionen jedoch nicht die unterstützenden wahr.
Ein Elternteil hat die Erwartung, dass „Trainer nur auf Leistung aus sind und sich nicht um das Wohl meines Kindes kümmern“. Der Elternteil nimmt vor allem Situationen wahr, in denen der Trainer laut wird oder Leistungsdruck vermittelt.
Hilfreich könnte sein, sich bewusst zu machen, dass die Art, wie ein Thema kommuniziert wird, beeinflusst, wie es wahrgenommen wird.
Beispiel:
„Eltern brauchen Regeln“ (kontrollierend) vs.
„Eltern als Schlüsselressource für mentale Stärke“ (wertschätzend).
Hilfreich könnte außerdem sein, sich bewusst zu machen, dass negative Erwartungen an Eltern unbewusst eine Atmosphäre erzeugen, in der Eltern sich defensiv oder anstrengend verhalten. Und umgekehrt.
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Wie die Sonnenblume auch in der Antarktis blüht
Als ehemalige Leistungssportlerin hat mich der Blick durch meine systemische Brille ermutigt, alte Muster zu hinterfragen und neue Möglichkeiten zu entdecken. Besonders komplexe Fragestellungen und Phänomene werden durch Gedankenexperimente, das Betreten neuer Möglichkeitsräume und durch die Suche nach alternativen Denk- und Lösungsmöglichkeiten besprechbar. Das Elternmanagement bietet dafür gerade im Nachwuchsleistungssport noch enorme Potentiale.
Falls Euch die Perspektive von Chuck Norris auf „Elternmanagement im Leistungssport für junge Talente“ genauso sehr interessiert, wie uns und Ihr schon immer mal wissen wolltet, welche großartigen Erkenntnisse auf dem Grund des Marianengraben zu finden sind, dann packt jetzt Eure Koffer und begleitet uns auf dieser Expedition in die Antarktis. Dort soll bereits ein ganzes Feld voller Sonnenblumen wachsen. Vielleicht ja bald auch eine von Euch?
Judith Hörmann, mehrfache Welt- und Europameisterin im Kanurennsport, arbeitet heute als systemische Organisationsentwicklerin und ist in dieser Kombination Expertin bei der Agentur DSE Deutsche Sporteltern für Systeme und deren Entwicklungen im Leistungssport.
Kontakt für Anfragen: jh@deutschesporteltern.de