Autor: Michael Klauss, Mühlheim a.d.R.
Eltern müssen gut vorbereitet sein
Eltern unterstützen Ihre Kinder bedingungslos und opfern sehr viel Zeit und Geld, um den Traum des Kindes (und leider manchmal auch den eigenen Traum) zu erfüllen. Es ist ein schöner Traum und er verdient, dass man ihn fördert.
Ab einem gewissen Zeitpunkt stellt sich für sie die Frage: Muss mein Kind durch einen Spielerberater oder eine Agentur betreut werden, um vielleicht einmal Profi zu werden? Brauche ich überhaupt einen Berater oder kann ich es auch selbst ausüben? Was unterscheidet einen „Guten“ Berater von einem „Schlechten“? Dabei gibt es eine Menge Narrative, die häufig nicht hinterfragt werden:
- Ohne Spielerberater wird man kein Profifußballer
- Ohne das Netzwerk eines Beraters kommt kein Wechsel zu Stande
- Ohne Berater übervorteilt mich der Manager des Vereins bei Vertragsgesprächen
- Ohne Branchenkenntnisse kann man das Kind nicht gut beraten
- Der Berater kostet nix, weil das ja der Verein bezahlt.
Und so weiter. Folgendes sei an dieser Stelle schon vorweggenommen:
- Nicht jedes Kind braucht einen Spielerberater!
- Viele Eltern können es selbst machen!
- Nicht jeder Berater ist geeignet!
- Spielerberater sind die teuersten Berater, die je eine Branche gesehen hat
Warum hält sich das Berater-Narrativ?
Ganz einfach, weil praktisch 99% der Profis einen haben. Aber woher resultiert das? Nun, das liegt in erster Linie daran, dass praktisch jeder junge Spieler mit Potential in einem Nachwuchsleistungszentrum (NLZ) spätestens mit 15 Jahren angesprochen und über die Eltern rekrutiert wurde. Nehmen wir einmal an, es gibt ca. 3.000 Spieler im Alter von 18 Jahren, die jedes Jahr aus den NLZs und Leistungszentren nur in Deutschland darauf warten, einen Profi- bzw. Anschlussvertrag zu erhalten. Wir lassen hier mal die jungen Transferspieler aus den Akademien der gesamten Welt außen vor. Nehmen wir außerdem an, dass es tatsächlich10 Prozent schaffen. Das heißt, ca. 300 Spieler erhalten einen Anschlussvertrag in den zweiten Mannschaften der Ligen 1 bis 4. Und davon maximal 30 Spieler einen wirklich lukrativen Lizenzspieler-Vertrag.
Genau jetzt erfüllt sich bereits das Narrativ. Denn auf den Webseiten der Agenturen stehen eben nur die 30 Spieler, die es vermeintlich geschafft haben. Wen man aber nirgends findet, sind die aussortierten 2.700 Spieler, die zwar auch einen Berater hatten, aber den Sprung vom Junioren- in den Seniorenprofifußball nicht geschafft haben, weil dafür bei weitem nicht genügend Arbeitsplätze zu Verfügung stehen.
Dabei wären mit 99%iger Wahrscheinlichkeit die 30 Spieler auch ohne Berater durch den eigenen Verein in den Profibereich übernommen worden. Denn das Potential wird doch nicht durch den Berater klar. Das wird der eigene Verein durch seine Scouts und Analysen bereits selbst erkannt haben. Und wenn nicht? Dann gäbe es auch mit einem Berater keinen Vertrag!
Ohne Netzwerk geht es nicht
Das ist praktisch das Killer-Argument eines jeden Agentur-Vertrieblers. Am besten noch glaubhaft durch einen ehemaligen Profi überbracht. In den 80er und 90er Jahren hätte ich hier sogar einen Haken gemacht. In dieser Zeit gab es keine Informationsquellen über Spielerinnen und Spieler. Wann läuft der Vertrag aus? Wieviel verdient er/sie derzeit? Kann er/ sie auch andere Positionen spielen? Ist die Spielerin teamfähig? Etc.
In Wahrheit sind Spielerinnen und Spieler heute gläsern. Und zwar bereits in den U-Mannschaften der NLZs. Scouts und Manager selbst überprüfen die eigenen Daten, die ihnen durch eine der professionellen Softwares und Datenbanken zu Verfügung stehen. Portale, wie Transfer Room liefern den Datenrest. Ohne diese Daten gibt es heute keine Verpflichtungen mehr! Und man stelle sich einmal vor, ein Manager würde nur einen Spieler verpflichten, weil der Berater so gut mit ihm bekannt ist. Das Thema Korruption würde doch sofort die Runde machen. Das kann sich heute keine Fußballmanager mehr leisten. Außer unseriöse… und bei diesem Verein sollte man wirklich nicht seine Fußballschuhe schnüren.
Quelle: KI-Generiert
Manager übervorteilen die Spieler bei Vertragsgesprächen
Das ist ein durchaus ernst zu nehmendes Thema. Ein Manager hat immer Interesse daran, einen Spieler möglichst günstig und ohne Klauseln im Vertrag zu verpflichten. Aber: Erstens ist das Gehaltsgefüge relativ klar, da kann sich jeder Spieler unkompliziert selbst einschätzen. Zweitens: Welche Klauseln in einen Vertrag gehören, kann man sich schnell auf Webseiten wie beispielsweise www.Ohne-Spielerberater.de herleiten. Und Drittens: Gerade beim ersten Vertrag sollte es nicht unbedingt darauf ankommen, was der Spieler verdient, sondern darum, ob er Spielchancen erhält oder nicht. Denn wenn ein Talent spielt, ist der Vertrag – so viel prophezeie ich – sehr schnell auf einem „top“ Niveau.
Ohne Branchenkenntnisse können Eltern nicht gut beraten
Ja. Und zwar dann, wenn es darum geht, Erfahrungswerte auf dem Platz auszutauschen. Nein, wenn es darum geht, die Gefühle und Ängste des Kindes zu erkennen. Vereine haben selbst ein großes Interesse daran, einen zukünftigen Leistungsträger und Wirtschaftsfaktor auf das Leben eines Fußballprofis vorzubereiten. Dafür gibt es auch schon im Verein eine Vielzahl von erfahrenen Menschen, Lehrern und in jedem NLZ einen Elternbeauftragten, die alle die Kinder und auch Eltern auf dieses Extremerlebnis vorbereiten sowie begleiten sollen.
Hier ist gerade die Vielzahl von Erfahrungen für ein Kind von Vorteil. Denn: Nicht jedes Kind ist gleich. Und die psychologischen Urteile eines Beraters – oft ohne Ausbildung – würde ich nicht vertrauen. Der Berater schildert Erlebnisse aus seiner ureigenen Erfahrung und seinem Charakter. Das muss dann nicht zwangsläufig der richtige Tipp für ein Talent sein. Ganz im Gegenteil. Die meisten jungen Spieler werden gegenüber dem Berater nicht über Schwächen reden wollen, während das die Eltern z.B. längst wissen und nur hier kann sich der Spieler auch öffnen.
Spielerberater haben zudem oft noch eigene Interessen, die im Zweifelsfall auch mal nicht das Beste für den Spieler sind. Das aber Eltern immer das Beste wollen, steht dagegen außer Frage!
Berater kosten nichts?
„Mein Berater kostet nichts und ich habe nicht mal einen Vertrag mit ihm.“ Dieses Narrativ hört man ja leider immer wieder. Aber es stimmt einfach nicht. Vereine haben ein Budget von dem sie den Spielerberater, das Gehalt und die Ablösesumme bestreiten. Das bedeutet für eine Spielerin und einen Spieler im besten Fall: Kein Spielerberater – mehr Gehalt. Punkt!
Und jetzt mal ins oberste Regal gegriffen: Bei üblichen 10 Prozent Beraterhonorar und einem durchschnittlichen Erstligagehalt von 1 Millionen € ergibt das bei 12 Jahren Profizeit schlappe 1,2 Millionen € weniger Gehalt für den Spieler. Da sollte Preis-Leistung dann immer abgewogen werden.
Übrigens, keinen Vertrag mit dem Spieler zu haben, hat für den Berater mehr Vor- als Nachteile. Er kann nämlich nicht für seine Leistungen belangt werden und es stehen ihm die Türen offen, auch eine Partnerschaft mit dem Verein einzugehen. Ein Schelm also wer denkt, dass das Nicht-Vorhandensein eines Vertrages ausschließlich gut für den Spieler ist.
Sporteltern haben Alternativen
Dennoch, es gibt natürlich vieles, das Sporteltern mit ihrem Wissen einfach nicht abdecken können. Social Media, Marketing/ Branding, Presse, Finanzen, rechtl. Aspekte, Verletzungsprophylaxe, Sport-Familienmanagement, Absicherung, Umgang als Person des öffentlichen Lebens usw. sind nur einige der Themen, die man sehr früh schon mit Talenten angehen muss. Allerspätestens dann, wenn sich eine Karriere abzeichnet.
Eine sinnvolle Möglichkeit dafür bietet der Sporteltern Club (www.dse-club.de). In einem geschützten Raum helfen Eltern anderen Eltern, bilden eine Gemeinschaft und helfen außerdem viele Experten, die ihr Wissen zu Verfügung stellen. Ich würde daher niemals alle Karten auf eine einzige Beratungsagentur setzen. Es macht vielmehr Sinn, sich die richtigen Anwälte, Marketing- und Finanzfachleute usw. selbst zu suchen. Denn da bliebe man immer in der Vorhand – und nicht Spieler Nr. 67 innerhalb der Agentur.
Und nur Spieler, die ihr Leben selbst in die Hand nehmen, wird früher oder später auch Verantwortung auf dem Platz tragen können.